Was bedeutet Schönheit in (Süd-)Korea?

Hdready beauty in korea

„Für eine Frau ist Schönheit unbedingt wichtiger als Intelligenz, denn für Männer ist Sehen leichter als Denken.“ Ob diese Aussage von Lil Dagover so stimmt, sei dahingestellt. Im asiatischen Raum, insbesondere in Südkorea kann man aber beobachten, dass sich viele Frauen dieses oder ähnliche Zitate sehr zu Herzen nehmen.

Schönheit spielt in Korea eine extrem wichtige Rolle. Südkorea ist die weltweite Nummer 1 in der Schönheitschirurgie geworden. In Gangnam, einem Viertel in der Hauptstadt Seoul, gibt es allein rund 500 Schönheitskliniken, die ständig mehr werden. Im Touristeninformationscenter erhält man keine Broschüren zu Sehenswürdigkeiten, sondern kann sich Werbefilme von Schönheitskliniken und teilweise drastische Vorher-Nachher-Bilder von Schönheits-OPs ansehen.

In den Werbespots der Schönheitsindustrie spielen Stars aus der K-Pop-Szene die Hauptrollen. K-Pop ist das Kurzwort für „Korean Popular Music“ und bezeichnet ein Phänomen, bei dem meist sehr junge Kinder und Jugendliche für Girl- bzw. Boygroups gecastet oder über Talentagenturen zusammengebracht werden. Sind diese Gruppen vielversprechend genug, wird sich dem Aussehen der jungen Sänger gewidmet. In einer typischen K-Pop-Gruppe sind alle Beteiligten von Kopf bis Fuß operiert, damit sie dem Schönheitsideal der Koreaner entsprechen.

Wie sieht eine schöne Person in Korea aus?

Nicht nur in Korea, sondern eigentlich in ganz Asien gibt es ein einheitliches Schönheitsideal: Für Frauen ist es das sogenannte „Bagel-Face“, ein Fantasiewort aus „Babyface“ und „Glamour“. Schöne Frauen haben ein ovales Gesicht, große Kulleraugen mit einer europäisch-doppelten Lidfalte, eine Stupsnase und einen makellosen, blassen Teint.

Während es bei den Frauen in Korea eher um das Gesicht geht, ist für Männer ein definierter Körper besonders wichtig. Männer gelten als schön, wenn sie einen Sixpack haben, ihr Körper etwas massiger ist als der durchschnittliche Asiate und sie einen gut trainierten Hintern haben.

Der Wunsch der Koreaner nach einer hellen Haut lässt sich in gewissem Maße nachvollziehen: In der asiatischen Kultur werden gebräunte Menschen mit körperlicher, niederer Arbeit in Verbindung gebracht. Je blasser man ist, desto unwahrscheinlicher ist es, dass man ungebildet ist oder schwere körperliche Arbeit verrichtet. Weiße bzw. helle Haut wird oft mit Reichtum, Wohlstand und Bildung in Verbindung gebracht.

100 Years of Beauty – ein Videoprojekt zur Geschichte des Schönheitsideals in Korea

In dem Video-Projekt „100 Years of Beauty“ kann man eindrucksvoll nachvollziehen, wie sich die Vorstellung von Schönheit in den letzten 100 Jahren in Korea verändert hat. Blasse Haut scheint schon immer im Trend zu sein, die Annäherung an europäische Schönheitsideale begann aber deutlich später.

Schöner werden mit plastischer Chirurgie

Viele der Merkmale, die in Korea als schön gelten, lassen sich ohne plastische Chirurgie nicht erreichen. Das sogenannte V-Face oder Smallface, also eine schmalere Gesichtsform, die in Richtung Kinn spitz zuläuft, ist eine der am häufigsten durchgeführten Schönheits-OPs in Korea. Für ein kleiner wirkendes Gesicht wird hierbei ein Teil des Kieferknochens herausgesägt.

Wer sich keine Operation für ein V-Line-Face leisten kann, kann sich auch ein Gerät zum Face-Contouring umschnallen. Dieses soll mit schwachen elektrischen Stößen und Vibrationen die Gesichtsform verändern. Um zumindest auf Fotos dem perfekten Gesicht näher zu kommen, gibt es in vielen südkoreanischen Großstädten Plakatwerbung mit Anleitungen, aus welchem Winkel man Selfies machen sollte, um möglichst schlank im Gesicht zu wirken.

Laut offiziellen Angaben sind in Südkorea etwa 50 Prozent der unter Dreißigjährigen aus ästhetischen Gründen operiert. Schönheitschirurgen aus Korea sprechen allerdings von mehr als 80 Prozent. Außerdem sei mindestens die Hälfte dieser 80 Prozent bereits mehrfach operiert worden, so ein bekannter koreanischer Schönheitschirurg in einem Interview.

Als klassisch gilt der Beginn der äußerlichen Veränderung mit einer Doppel-Lid-Operation, häufig ein Geschenk der Eltern zum 18. Geburtstag in Südkorea. Meistens folgt darauf mit Anfang 20 eine Nasenkorrektur, dann das sogenannte „Fat-Crafting“, also das Einspritzen von Bauch- oder Hüftspeck ins Gesicht für eine ovalere Form, und schließlich diverse kosmetische Behandlungen mit Botox und Hyaluron, für ein dauerhaftes jugendliches Aussehen.

All diese Schönheitsoperationen sind in Südkorea sowohl bei Frauen als auch bei Männern sehr beliebt.

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