Was bedeutet Schönheit in Brasilien?

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Brasilien ist ein Land der Widersprüche. Dies bezieht sich nicht nur auf den Bereich Schönheit, sondern viel mehr auf das südamerikanische Land im Ganzen. Nirgends werden Kontroversen so deutlich wie in Brasilien. Einerseits versucht man sich stark an europäischen und amerikanischen Standards zu orientieren, während gleichzeitig Traditionen und Bräuche sehr wichtig sind und im großen Rahmen gelebt werden.

In Brasilien gibt es einen regelrechten Körperkult. Viele Brasilianer, Männer und Frauen, sind sehr auf ihr Äußeres konzentriert. Deutlich wird dies in Aussagen wie: „Ich bin schön, ich bin stark.“ oder „Es gibt keine hässlichen Menschen, es gibt nur arme Menschen.“

Obwohl die Eitelkeit eine der sieben Todsünden für gläubige Katholiken ist, zeigen viele Brasilianer bei jeder Gelegenheit, was sie haben. Besonders in Rio de Janeiro kann man die sogenannten Cariocas an jeder Ecke sehen. Sie prahlen mit ihrem Bizeps, tragen in einem großen Ausschnitt ihre Brüste zur Schau oder zwängen sich in enge Hosen, um ihrem runden Po zu mehr Aufmerksamkeit zu verhelfen.

Wie sieht eine schöne Person in Brasilien aus?

So kontrovers wie Brasilien als Land ist, ist auch das brasilianische Schönheitsideal. Eigentlich gibt es zwei Versionen von „schönen Menschen“. Die erste Variante ist angelehnt an Europa und Amerika und wird vor allem von Menschen aus ärmeren Schichten als schön angesehen. Für sie ist eine erfolgreiche, schöne Frau weiß, mager und blond.

Lange Zeit war die Hautfarbe eine Art Aushängeschild für die soziale Schicht, aus der man stammt. Je heller die Haut, desto besser die Position in der Gesellschaft. Viele brasilianische Frauen legten es deshalb geradezu darauf an, Kinder mit weißen Männern zu zeugen.
Ganz im Gegensatz zu diesem Schönheitsideal sieht die zweite Variante eines schönen Menschen in Brasilien aus. Wer seinen Traditionen mehr verbunden ist, empfindet meist die klassische Latino-Optik als besonders schön. Stählerne Muskeln bei Männern, weiche Kurven bei Frauen, ein kaffeebrauner Teint und schwarze Augen werden ebenfalls von vielen Menschen in Brasilien schön gefunden.

100 Years of Beauty – ein Videoprojekt zur Geschichte des Schönheitsideals in Brasilien

In dem Video-Projekt „100 Years of Beauty“ kann man eindrucksvoll nachvollziehen, wie sich die Vorstellung von Schönheit in den letzten 100 Jahren in Brasilien verändert hat. Leider sieht das Model in diesem Video überhaupt nicht brasilianisch aus, was aber durch die Anlehnung an die europäische Schönheitsidee begründet sein kann.

Schöner werden mit plastischer Chirurgie

„Es gibt keine hässlichen Menschen, es gibt nur arme Menschen.“ Dieser Aussage stimmen sehr viele Brasilianer zu. Sie sind davon überzeugt, dass Schönheit nichts von Gott Gegebenes ist, sondern vielmehr durch die finanziellen Möglichkeiten jedes Einzelnen bestimmt wird.

Brasilien hat weltweit den höchsten Pro-Kopf-Konsum an Kosmetika und in dem südamerikanischen Land sind nach den USA die meisten Schönheitschirurgen registriert. Dazu kommen unzählige Fitnessstudios, Kosmetiksalons, Nagelstudios und Friseurgeschäfte, in denen man schöner werden kann.

Der Chirurg Ivo Pitanguy, ein Brasilianer, gilt als Vater der heutigen plastischen Chirurgie. Zu Beginn seiner Karriere konzentrierte er sich darauf, Unfallopfern und Missgebildeten zu einem „normaleren“ Aussehen zu verhelfen. Im Laufe der Zeit beschäftigte er sich aber mehr und mehr mit der Verschönerung von gesunden Menschen, wie Jackie Onassis, Stephanie von Monaco oder Silvio Berlusconi.

Inzwischen gehören Schönheits-OPs zum Tagesgeschäft in Brasilien. In fast jedem Bereich, der operiert werden kann, gehört Brasilien zu den zehn Ländern mit den meisten Eingriffen.

Global Cosmetic Procedure Trends

Besonders beliebt sind Fettabsaugungen, direkt gefolgt von Brustvergrößerungen und Faceliftings. Auch Korrekturen der Nase, der Lippen oder der Augenbrauen erfreuen sich bei den Brasilianern größter Beliebtheit.

Etwa 80 Prozent der Patienten, die Schönheits-OPs in Brasilien durchführen lassen, sind Frauen. Viele beginnen bereits als Minderjährige oder spätestens zum 18. Geburtstag, ihrer Schönheit durch Operationen auf die Sprünge zu helfen.

Aufgrund der vielen ästhetischen Operationen in Brasilien kann das Land als Trendsetter der Branche betrachtet werden. Derzeit in Europa noch unbekannt, aber in Brasilien bereits vielfach erfolgreich durchgeführt sind Eingriffe wie Po-Vergrößerungen und die sogenannte Vaginoplástica, bei der die Schamlippen verkleinert werden.