Süchtig nach Schönheitsoperationen – Das Michael Jackson Syndrom - II. Teil

Hdready michael jackson

Eine Sucht ist immer ein Versuch, innerliche Leere zu füllen. Wie jede Sucht kann auch die Sucht nach Schönheitsoperationen den eigentlichen Ursprung der Leere nicht füllen. Trotzdem gibt es viele Menschen, die sich immer und immer wieder beim Schönheitschirurgen operieren lassen. Wer wiederholt und an immer anderen Körperteilen operiert wird, leidet unter dem sogenannten Michael Jackson Syndrom.

Waltraud – Vom schönen Körper bis zum Tod

Waltraud ist nun für immer kürzere Zeiträume mit ihrem Aussehen zufrieden. Schon nach gut 1,5 Jahren, im Juli 2001, sucht sie erneut ihren Schönheitschirurgen auf. Dieses Mal entscheidet sie sich für  Botox und Restylane, eine kleine Auffrischung zwischendurch.

Auch wenn man an Waltrauds Äußerem ihr Alter vielleicht nicht erkennen kann, ihr Körper wird dennoch nicht jünger. Sie ist nun so alt, dass jede Vollnarkose ein echtes Risiko bedeutet. Deshalb fährt sie von nun an ihr Sohn zu den Eingriffen. Außerdem hat sie alles für den Fall der Fälle geregelt, sie will auf die Schönheitsoperationen auf keinen Fall verzichten.

Im März 2002 lässt sie ein Bodylifting nach Lockwood machen. Dabei wird auch ihre alte Oberschenkelstraffung korrigiert und mit Eigenfett ein „prominentes Gesäß“ aufgebaut. Außerdem wird bei diesem Eingriff auch überschüssige Haut entfernt.

Im Juli 2004 lässt Waltraud ihre Oberarme, ihren Bauch und ihren Rücken nachstraffen. Diese Schönheitsoperationen kosten sie 2.000 Euro. Sie zieht sich langsam aus ihren Friseursalons zurück und arbeitet nur noch an 3 Tagen in der Woche. Sie ist jetzt fast 70 Jahre alt und weiß, dass sie ohne Arbeit gut leben kann. Ob es allerdings auch ohne Schönheits-OPs geht, weiß sie nicht.

Im Februar 2005 wird Waltrauds Eigenfettunterspritzung auf den Handrücken wiederholt. Die Hände sollen weiter jugendlich aussehen. Im April 2008 sucht sie ihren Schönheitschirurgen für Verbesserungen im Hals-Kinn-Bereich und im Bereich der Oberlippe auf. Der Arzt empfiehlt ihr zusätzlich ein sekundäres Schläfen-Wangen-Lifting. Die Gesamtkosten liegen bei 5.000 Euro.

Eine weitere Kinnkorrektur lässt Waltraud im März 2010 für 500 Euro durchführen. Außerdem spricht sie mit ihrem Arzt über ihre Sorgen wegen ihres alternden Dekolletés. Er sagt ihr, dass man ein Dekolleté nicht straffen kann. Sie findet aber, dass ein faltiges Dekolleté alt und verräterisch aussieht.

Sie möchte ihr Dekolleté weiter zeigen, ohne alt auszusehen. Deshalb entscheidet sie sich für eine Brustvergrößerung und Straffung, so wird ihr Dekolleté nämlich indirekt gestrafft. Im März 2011 bekommt Waltraud eine neue Brust, Körbchengröße C. Sie ist ihr fast zu groß, bis sie sich daran gewöhnt hat. Die Brust-OP kostet 8.500 Euro.

Im November 2013 ist sie mal wieder bei ihrem Schönheitschirurgen. An Waltrauds Kinn findet er wenig Fettgewebe, aber eine Überschuss nicht mehr elastischer Haut. Nach Abwägung der verschiedenen Optionen entscheidet sich Waltraud für ein direktes Halslifting. Nach dem Eingriff weist ihr Arzt sie darauf hin, dass kein weiteres Facelifting mehr möglich sein wird. Allerdings kann er im September 2014 noch mal ein bisschen nachziehen. Waltraud freut sich drauf.

Einzelfall?

Natürlich sind solche Extrembeispiele wie Waltraud nicht alltäglich, dennoch sind es aber nicht wenige Patienten und Patientinnen in Deutschland, die ihren Schönheitschirurgen mit alarmierender Regelmäßigkeit aufsuchen. Wer nach einer Schönheitsoperation auch mit seinem neuen Körperteil oder seinem neuen Gesicht nur kurzzeitig zufrieden ist, braucht professionelle Hilfe und zwar von einem Psychotherapeuten und nicht von einem plastischen Chirurgen.

In den Medien hört und liest man immer wieder von Fällen, bei denen die Sucht nach Schönheits-OPs extreme Formen annimmt und bei manchen Menschen sogar zum Tode führen kann. Prominente Extremfälle sind zum Beispiel Sophia Wollersheim und Martina Big, bürgerlicher Name Martina Adam. Zu den tragischen Todesopfern von Schönheitsoperationen gehören Lolo Ferrari, die im Jahr 2000 an den Folgen einer Brustvergrößerung verstarb, und Carolin Wosnitza, die 2011 nach einer missglückten Brust-OP nicht mehr aus dem Koma aufwachte.