Süchtig nach Schönheitsoperationen – Das Michael Jackson Syndrom

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Eine Sucht ist immer ein Versuch, innerliche Leere zu füllen. Wie jede Sucht kann auch die Sucht nach Schönheitsoperationen den eigentlichen Ursprung der Leere nicht füllen. Trotzdem gibt es viele Menschen, die sich immer und immer wieder beim Schönheitschirurgen operieren lassen. Wer wiederholt und an immer anderen Körperteilen operiert wird, leidet unter dem sogenannten Michael Jackson Syndrom.

Der inzwischen verstorbene Popsänger ist das berühmteste Beispiel, wohin die Sucht nach Schönheits-OPs führen kann. Oft sind Prominente betroffen, da sie sich besonders stark unter Beobachtung fühlen. Gerade wenn erste Alterserscheinungen auftreten, tun sie alles, um weiterhin im Rampenlicht „perfekt“ auszusehen. Es gibt aber auch „normale Menschen“, die nicht prominent sind und sich regelmäßig beim Schönheitschirurgen unters Messer legen.

Waltraud, 70 Jahre, sieht aus wie ihre Tochter

In einem Artikel in der „Welt“ wird die Geschichte von Waltraud, einer ganz normalen Frau, erzählt. Bereits in ihrer Kindheit beginnt ihre Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper, ausgelöst durch einen Kommentar ihrer Mutter über ihre Reiterhosen.

Jahrelang quält sich Waltraud mit ihren „dicken Beinen“, sie macht Sport, aber die Reiterhosen verschwinden nicht. 1984 lässt sie sich das erste Mal von einem Schönheitschirurgen operieren. Ihr Mann und sie haben für den Eingriff auf ihren Jahresurlaub verzichtet und gespart. Die Oberschenkelstraffung und Fettabsaugung kosten sie 3.000 DM. Nach der OP ist Waltraud glücklich. Sie fühlt sich mit 40 Jahren wie neu geboren.

Doch dieses Glück hält nur 5 Jahre lang an. Dann sind es die Falten in ihrem Gesicht, die sie so sehr stören, dass sie erneut einen Schönheitschirurgen aufsucht. Zuerst will sie eine Veränderung ihrer Wangen. Dann ist der Mund dran. Darauf folgt das Kinn. Dann will sie, dass der Schönheitschirurg auch noch die Stirn, die Lippen und die Augen jugendlicher aussehen lässt. 1989 lässt sie ein Hals-Wangen-Lifting machen. Es kostet sie 9.500 DM und dauert über 4 Stunden lang.

Dieses Mal ist sie für knapp 4 Jahre mit dem Ergebnis des Liftings zufrieden und lässt 1993 eine Nachkorrektur für 10.000 DM durchführen. Nach der dreistündigen Operation ist Waltraud mit ihrem Gesicht zufrieden, allerdings passt es so nicht mehr zu ihrem Körper.

Sie betrachtet sich selbst im Spiegel und findet, dass sie wie ihre eigene Oma aussieht. Überall ist hängende Haut. Ihre Arme sind schlaff, ihre Brust hängt, da muss etwas getan werden. 1996 entscheidet sich Waltraud für diverse Eingriffe beim Schönheitschirurgen: eine Laserbehandlung der Ober- und Unterlippe und der Glabellafalten, Oberbauchstraffung, Bruststraffung, Oberarmstraffung und eine Nachstraffung der Oberschenkel. All dies kostet sie rund 15.000 DM.

Nach all diesen Eingriffen hat Waltraud jede Menge Narben. Sie geht ungeschminkt nicht einmal zu ihrem Briefkasten.  Ihre Narben sind an der Innenseite der Oberschenkel, an der Innenseite der Oberarme, auf den Schultern, auf dem Bauch, auf der Brust, auf dem Gesäß, am Haaransatz und unter den Augenlidern. Sie selbst stören diese Narben nicht, sie läuft ja schließlich nicht den ganzen Tag im Bikini herum, sagt sie.

Im Oktober 1997 lässt sich Waltraud einen Gore Tex Faden im Bereich des Unterkiefers einsetzen, um die Mundspeicheldrüse nach oben zu luxieren.  Außerdem lässt sie eine weitere Oberbauchstraffung machen, Gesamtkosten beider Eingriffe 14.000 DM.

Waltraud ist mit den Ergebnissen zufrieden, allerdings nun für einen deutlich kürzeren Zeitraum. Bereits im Juli 1998 lässt sie sich Eigenfett im Bereich der Handrücken unterspritzen, um die Alterung ihrer Hände aufzuhalten. Zusätzlich wird in die Oberlippe Eigenfett gespritzt.

Im Januar 2000 geht es weiter. Eine Saugkürettage an der Knieinnenseite soll erfolgen, außerdem eine Dermalive-Unterspritzung im Bereich der Lippenfalten sowie eine Straffung im Bereich der Ellenbogen und der Achselhöhle, um die Haut im Schulterblattbereich zu straffen. Die Gesamtkosten für diese Eingriffe liegen bei 5.800 DM, es wird eine OP-Dauer von etwa 3 Stunden erwartet.