Sind attraktive Menschen glücklicher?

Hdready happiness and outlook

Wer an Valentinstag keine Blumen und Geschenke bekommt, könnte sich fragen, ob er von anderen Menschen nicht als attraktiv empfunden wird. Auch wenn der Valentinstag kein Indikator für gutes Aussehen sein sollte, bringen einen solche und andere Begebenheiten ins Grübeln. Sind attraktive Menschen glücklicher? Und sind weniger „schöne“ Menschen deshalb zum ewigen Unglücklichsein verurteilt?

In einer Studie von Psychology Today zeigte sich genau das Gegenteil: Beliebte Laufstegmodels, die ihr Geld mit ihrer Schönheit verdienen, sind unglücklicher und weniger mit sich selbst zufrieden als Menschen, die keine Models sind und alltägliche Berufe haben.

Dennoch ist es tatsächlich so, dass attraktive Menschen mit einer größeren Wahrscheinlichkeit eingestellt und unterstützt werden, mehr Geld verdienen und generell als kompetenter eingeschätzt werden. Sie werden als selbstbewusster wahrgenommen und man nimmt automatisch an, dass sie bessere soziale Fähigkeiten haben als unattraktive Menschen.

Dann sollten „schöne“ Menschen doch aber auch glücklicher sein als der Rest, oder?

Die Autoren der oben erwähnten Studie entdeckten, dass gerade als attraktiv geltende Menschen schwierige Persönlichkeiten haben. Sie sind deutlich misstrauischer, sehr emotional, von sich selbst entfremdet, exzentrisch und Ich-bezogen. Ist Schönheit also vielleicht gar nicht so gut für die Persönlichkeit und trägt nicht zur persönlichen Erfüllung bei?

Die Studie zeigte, dass ein gutes Aussehen nicht die grundlegenden psychologischen Bedürfnisse eines Menschen zu erfüllen scheint. Von Models wird einfach erwartet, dass sie gut aussehen. Ob sie andere Fähigkeiten oder Qualitäten haben, wird oft gar nicht beachtet.

Jeder Mensch möchte sich gern kompetent fühlen, schöne Menschen bzw. Models müssen dafür aber einfach nur existieren und schon ist ihre Daseinsberechtigung erfüllt. Von ihnen wird nichts anderes verlangt und sie können und müssen sich auch nicht weiterbilden. Dies kann sich negativ auf ihre Psyche auswirken.

Hinzu kommt, dass gerade Models ihre eigene Persönlichkeit, ihre Vorlieben und Ansichten für die Wünsche ihrer Kunden unterdrücken und hintenanstellen müssen. Das stört das natürliche Verlangen des Menschen nach Autonomie. Ihr zusätzlich sehr hektischer und mit ständigen Ortswechseln verbundene Lebensstil verhindert alles außer oberflächlichen Bekanntschaften und erschwert es so, das Grundbedürfnis nach festen Bindungen zu befriedigen.

Menschen, die sich nur über ihre Schönheit definieren und aufgrund ihrer Schönheit glücklich zu sein glauben, geraten oft in Panik, wenn sie feststellen müssen, dass Schönheit vergänglich ist. Einige von ihnen beginnen, ihre Äußeres chirurgisch zu verbessern zu lassen und hoffen so der natürlichen Veränderung durch Alter und Lebensstil zu entkommen. Finden sie in diesem Kreislauf aber kein Ende, hat das oft fatale Folgen. Beispiele wie Michael Jackson, Cher und Donatella Versace zeigen, welche Ausmaße es annehmen kann, wenn man persönliche Zufriedenheit und Schönheit gleichsetzt.

In einer anderen Studie der Forscher Nabanita Datta Gupta, Nancy Etcoff und Mads Jaeger wurde gezeigt, dass glückliche und zufriedene Menschen sich oft mehr um Äußeres kümmern und das dies zu einem größeren Selbstbewusstsein führt, was die Verbindung zwischen attraktiv sein und sich körperlich wohlfühlen erklärt. Vielleicht ist nicht ein gutes Aussehen für Zufriedenheit verantwortlich, sondern es ist eigentlich genau umgekehrt: Wer zufrieden ist, achtet auch auf seine äußere Erscheinung und verhält sich selbstbewusster, was dazu führt, dass man ihn als attraktiver wahrnimmt.

Eine andere Erklärung könnte sein, dass Menschen, die depressiv sind oder sich schlecht fühlen, dazu neigen, ihr Äußeres zu vernachlässigen. Sie lassen sich hängen und verlieren an Selbstbewusstsein. Es ist nicht so, dass ein vernachlässigtes Aussehen uns depressiv macht, sondern vielmehr so, dass unglückliche Menschen sich nicht um ihre Optik kümmern.

Die Autoren dieser Studie beschreiben aber auch den Effekt, dass attraktiv sein zu mehr Zufriedenheit führt als andersherum. Fraglich ist allerdings, zu welchen Anteilen Attraktivität von veränderbaren Dingen wie einer neuen Frisur, anderer Kleidung und dem passenden Make-Up und von unveränderbaren Dingen wie natürlicher Schönheit, Selbstbestimmtheit und Selbstbewusstsein abhängt.

Es ist durchaus möglich, dass Menschen, die nicht „schön“ geboren wurden, dies durch Souveränität und Selbstbewusstsein kompensieren und so ebenfalls in den Genuss der gleichen positiven sozialen Aspekte kommen können.