Schauspieler und Schönheits-OPs – Geht es überhaupt ohne?

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Wenn man sich fragt, was heutzutage mit den Gesichtern von Schauspielern los ist, reicht meist ein einziges Wort: plastische Chirurgie. Zum Annehmen von Rollen gehört immer ein gewisses Maß an Veränderbarkeit. Bestes Beispiel hierfür ist Lon Chaney, bekannt als „der Mann der 1000 Gesichter“. Für eine Rolle in einem Film hat sich der ungesehene Star die Beine hinter dem Körper abgebunden, um einen Mann ohne Beine zu spielen. Um einen möglichst realitätsnahen Quasimodo abzugeben, trug er schwere Gewichte mit sich herum.

Schauspieler, die für Rollen zu Muskelpaketen werden, große Mengen Gewicht zu- oder abnehmen, werden von der Öffentlichkeit angehimmelt. Wer allerdings zugibt, einen Eingriff beim Schönheitschirurgen gehabt zu haben, erhält selten positive Kommentare. Schönheit ist in Hollywood nur in den seltensten Fällen natürlichen Ursprungs, sie hat vielmehr oft einen hohen Preis.

Sharon Stone ging zum Beispiel rechtlich gegen einen Schönheitschirurgen vor, weil er „zu Unrecht behauptet hatte, bei ihr ein Face-Lifting gemacht zu haben.“ In der Klage wurde ausdrücklich auf die „natürliche Schönheit“ der Schauspielerin hingewiesen. „Sharon Stone ist nicht nur stolz auf ihr Talent als Schauspielerin und in anderen Bereichen, sondern auch auf ihre natürliche äußerliche Erscheinung.“

Seit es die Filmindustrie gibt, mussten Schauspieler Diät halten, ihre Haare färben und ihre Zähne korrigieren und bleichen lassen. Selbst Marilyn Monroes Kinn wurde durch einen Schönheitschirurgen perfektioniert. Nasen wurden geglättet, Brüste vergrößert und Bäuche gestrafft. Allerdings sind all diese kleinen und großen Veränderungen meist nur Themen im Klatsch & Tratsch-Bereich von Fernsehsendungen und Magazinen. Bei ernsthaften Filmgesprächen finden sie keine Erwähnung.

Das perfekte Aussehen ist eine Illusion, die die meisten Schauspieler nicht zerstören wollen und können. Sie brauchen sie, um an gute Rollen zu kommen. Es ist tatsächlich sogar öffentlich besser zu sagen, man sei auf Entzug, als zuzugeben, dass man für ein Augenlifting in eine Klinik geht.

Auf der anderen Seite scheint die plastische Chirurgie für Filmstars unvermeidbar zu sein. Unsere Bildschirme sind heutzutage voll von übermäßig aufgespritzten Lippen und Brüsten, die viel zu rund und prall sind. Am einfachsten zu entdecken sind die Schönheits-OPs bei Stars, die schief gelaufen sind: der Charakterschauspieler, dessen Ohren ungleich angelegt worden sind oder die Schauspielerin, die immer aussieht, als ob sie im Windtunnel wäre.

Meist gilt auch, je größer der Star ist, desto besser (und unsichtbarer) sind seine Schönheitsoperationen gemacht. Aber selbst wenn man sich das beste Gesicht anschaut, was man für Geld kaufen kann, kommt einem dabei doch immer etwas komisch vor. Nehmen wir zum Beispiel den Schauspieler mit dem maskenhaften Gesicht: Ich frage mich, was er wohl im Spiegel sieht. Sieht er, was ich auf dem Bildschirm sehe? Ein Gesicht ohne Falten, aber auch ohne jede Emotion, Vergangenheit und Leben?

Wenn man in Los Angeles lebt, kommt es einem manchmal so vor, als ob jedes zweite Gesicht chirurgisch geglättet und korrigiert wurde. Einigen Kritikern fehlen bei Schauspielern inzwischen die Ästhetik und die Individualität. Durch die Standard-Nase, Wangenimplantate und vergrößerte Brüste kann man oft den Schauspieler und sein Schauspieltalent gar nicht mehr wahrnehmen.

Auch für die Zuschauer ist der Schönheits-OP-Trend bei Schauspielern eine fragwürdige Sache. Einerseits werden so Idole geschaffen, die man ohne die plastischen Eingriffe nicht einmal annähernd erreichen kann. Andererseits empfinden es viele Filmfans als merkwürdig, wenn sie selbst ganz normal altern, während Schauspieler, deren Filme sie bereits vor 20 Jahren gesehen haben, immer noch eher jung aussehen bzw. alles dafür geben, möglichst jung zu wirken. Die Stars verlieren so an Authentizität.

Die Gründe für die vielen Schönheitsoperationen bei Schauspielern sind aber nicht nur bei den Schauspielern selbst zu suchen. Wenn eine Rolle einer 60-jährigen Frau nur mit einer maximal 40 Jahre alten Schauspielerin besetzt werden kann, ist klar, dass auch viel Druck von Filmproduzenten und Agenturen kommt.