Neues Gesicht = Identitätskrise? – Teil 2

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Vor rund 14 Jahren sorgte eine amerikanische Fernsehsendung weltweit für Aufruhr. „The Swan“ war eine Produktion des Senders Fox. Die Kandidatinnen der Sendung erhielten im Rahmen von „The Swan“ ein Komplettpaket von Schönheitsoperationen, nach dem sie meist nicht mehr erkennbar waren. Der Name „The Swan“ bezog sich auf das Märchen „Das hässliche Entlein“, an dessen Ende aus der erst „hässlichen“ Ente ein „schöner“ Schwan wird.

Reaktionen nach dem Makeover

Lorrie Arias, Teilnehmerin von „The Swan“, fühlte sich schuldig, als ihr Sohn ihr sagte, sie wäre nach den unzähligen Schönheitsoperationen nicht mehr sie selbst. „Er hatte Angst“, sagte Arias, „ich fühlte mich schuldig. Wäre ich an seiner Stelle gewesen, wäre ich ebenfalls ausgerastet.“

Am stärksten reagierte aber Arias selbst. Die Teilnehmer der Sendung werden mit ihrem neuen Aussehen überrascht. Als Finale der jeweiligen Episode wird die große Enthüllung des „neuen Ichs“ gezeigt. Während der Dreharbeiten werden Spiegel entfernt oder abgehangen. In den 2,5 Monaten der Schönheitsoperationen konnte Lorrie Arias nur ab und an ihre Reflektion in einem medizinischen Gerät sehen.

Als sie sich das erste Mal im Spiegel sah, reagierte sie relativ ruhig und überrascht. Nachdem die Kameras aus waren, brach es aber aus ihr hervor. Sie schrie nach dem verantwortlichen Produzenten und rief panisch: „Ich will mein Gesicht zurück!“ Natürlich wusste sie, dass so etwas unmöglich war. Sie war völlig schockiert, es fühlte sich an, als ob sie im Spiegel eine andere Person ansah.

An dieses Gefühl hat sich Lorrie Arias gewöhnen können. Dennoch war sie vor dem Makeover glücklicher, sagt sie. „Ich hatte mein ganzes Leben Probleme mit meinem Selbstbewusstsein. Vorher konnte ich aber etwas tun. Jetzt, nach all den Eingriffen für die manche Leute alles tun würden, fühle ich mich in meinem neuen Körper gefangen.“

Bei extremen Schönheits-OPs ist psychologische Unterstützung ein Muss

Während sie an „The Swan“ teilnahm, hatte Lorrie Arias psychologische Unterstützung. Die Gespräche mit dem Therapeuten konzentrierten sich aber hauptsächlich auf den Verlust ihres Ehemannes. Nach der Sendung hatte sie keine weiteren Gespräche mit Psychologen. Sie glaubt, dass ihre Probleme zehn Jahre nach der extremen Veränderung vor allem darin begründet sind.

1995 nahm sie rund 70 kg ab und hielt dieses Gewicht für 10 Jahre. Im Rahmen von „The Swan“ nahm sie weitere 5 kg ab. Nach dem extrem Makeover verlor sie das Gefühl für ihren Körper, sagt sie. 2014 wog Lorrie Arias mehr als 40 kg mehr als während der Sendung. Mit einem Gewicht von über 110 kg fühlte sie sich fürchterlich, sagte sie in dem Interview mit der Huffington Post.

Um sich besser zu fühlen, würde sie weitere Operationen in Kauf nehmen. „Ich würde es sofort tun. Wenn ich das Geld dafür hätte, würde ich als Erstes eine Magenverkleinerung machen lassen. Das mag verrückt klingen, weil ich schon so viele Schönheits-OPs habe machen lassen. Ich würde außerdem eine neue Brustvergrößerung, ein weiteres Augenbrauenlifting, ein weiteres Facelifting und weitere Fettabsaugungen haben wollen. All das und meine Arme würde ich operieren lassen.“ Lorrie Arias würde außerdem erneut an einer Sendung wie „The Swan“ teilnehmen. Sie sagte: „Es ist zwar unglaublich, aber ich würde es wieder tun. Mit meinem heutigen Wissen, dass ich wieder zunehmen werde und dass das Gefühl des anderen Gesichts vergeht, könnte ich nach weiteren OPs wenigstens eine dicke und schöne Person sein.“

Obwohl sie weitere chirurgische Eingriffe möchte, ist sich Arias bewusst, dass ihre eigentlichen Probleme nicht mit ihrem Äußeren zusammenhängen. „Ich dachte, eine Bauchdeckenstraffung würde mir zum perfekten Selbstbild und einem größeren Selbstbewusstsein verhelfen. Natürlich war das nicht der Fall. Jetzt möchte ich mit meiner Geschichte Anderen helfen. Niemand sollte denken, dass sich unters Messer zu legen, alle Probleme löst. Als Kurzzeitoption können Schönheitsoperationen hilfreich sein, dennoch wird über kurz oder lang wieder alles hochkommen.“