Neues Gesicht = Identitätskrise? – Teil 1

Hdready identity crisis

Vor rund 14 Jahren sorgte eine amerikanische Fernsehsendung weltweit für Aufruhr. „The Swan“ war eine Produktion des Senders Fox. Die Kandidatinnen der Sendung erhielten im Rahmen von „The Swan“ ein Komplettpaket von Schönheitsoperationen, nach dem sie meist nicht mehr erkennbar waren. Der Name „The Swan“ bezog sich auf das Märchen „Das hässliche Entlein“, an dessen Ende aus der erst „hässlichen“ Ente ein „schöner“ Schwan wird.

Komplettes Makeover im Wert von 300.000 US Dollar

Eine der Teilnehmerinnen von „The Swan“ war Lorrie Arias. Sie hatte 1995 150 Pfund abgenommen. Im Jahr 2002 verstarb ihr Ehemann, 2004 nahm sie an der Fernsehsendung teil. Aufgrund ihrer traurigen Geschichte entschied die Jury von „The Swan“, dass sie die Schönheitsoperationen und Kosmetikbehandlungen für ein umfassendes Makeover verdient hatte. Mit 34 Jahren legte sich Lorrie Arias mehrfach unters Messer und bekam ein neues Gesicht und einen neuen Körper.

2014, 10 Jahre später, sprach sie in einem Interview über ihre Erfahrungen bei der Extremveränderung. Arias hatte hart an sich gearbeitet, um rund 70 kg an Gewicht zu verlieren. Sie war frustriert, dass trotz des vielen Sports noch so viel lose Haut an ihrem Bauch vorhanden war. Deshalb bewarb sie sich bei „The Swan“. Sie erhoffte sich von der Fernsehsendung eine Bauchdeckenstraffung.

Nachdem sie als Teilnehmerin der Sendung akzeptiert war, schlugen die Ärzte und Produzenten deutlich drastischere Veränderungen vor. Sie sollte eine Transformation des ganzen Körpers erhalten. Ihr Weg zum „Schwan“ dauerte ganze 2,5 Monate, in denen sie von der Kamera begleitet wurde.

Lorrie Arias hatte eine Bauchstraffung, eine Postraffung mit Lifting, ein Lifting der inneren Oberschenkel, ein doppeltes Facelift, ein Lifting der Oberlippe, eine Augenlidstraffung des Ober- und des Unterlids, ein Augenbrauenlifting, eine Nasenkorrektur, eine Brustvergrößerung und eine Bruststraffung. Dies waren die meisten Schönheitsoperationen, die je eine Teilnehmerin der Sendung hatte.

Schönheits-OPs können nur das Äußere verändern

Zehn Jahre nach den unzähligen chirurgischen Eingriffen ist Lorrie Arias depressiv, bipolar und hat Platzangst. Sie vermutet, dass sie noch immer unter einer körperdysmorphen Störung (body dysmorphic disorder) leidet. Arias hat das Gewicht, was sie 1995 abgenommen hatte, wieder zugenommen und verlässt ihr Haus so gut wie nie, außer wenn sie alle paar Monate zu ihrem Therapeuten fährt.

Über die emotionalen Auswirkungen von Schönheitsoperationen in diesem Ausmaß ist relativ wenig bekannt. Dies liegt zum einen daran, dass solche extremen Veränderungen eher selten sind. Zum anderen haben die wenigsten Schönheitschirurgen Interesse daran, an solchen Untersuchungen teilzunehmen.

Bei den meisten Menschen, die nach einer Schönheits-OP unglücklich oder unzufrieden sind, wird eine körperdysmorphe Störung diagnostiziert. Eine solche Störung bedeutet, dass man sich auf ein bestimmtes Körperteil so sehr fokussiert, dass man ihn als missgebildet oder problematisch empfindet. Wer unter einer körperdysmorphen Störung leidet, verrennt sich richtig in dieses Problem. Viele glauben, dass eine Schönheitsoperation die Lösung ist. Dies ist allerdings nicht der Fall. Häufig wird eine Body Dysmorphic Disorder durch Probleme mit dem Selbstbewusstsein, Angstneurosen oder ähnliche zugrunde liegende Probleme ausgelöst. Diese kann kein chirurgischer Eingriff lösen.

Ein wenig anders zu betrachten sind Schönheitsoperationen, die aufgrund von gesellschaftlichem Druck und allgemeinen Standards wie Jugendlichkeit und Schönheit, durchgeführt werden. Eine körperdysmorphe Störung liegt in der Regel bereits vor der Schönheits-OP vor. Wenn dann die Ergebnisse der OP das Problem des Patienten nicht lösen, kann dies extrem enttäuscht sein und die Angstneurosen noch verstärken.

Umgang mit negativen Kommentaren

Lorrie Arias erntete viel negative Kritik nach ihrem Komplettmakeover in „The Swan“. „Man muss sich jede Menge Mist anhören.“ sagte sie. Sie hatte das Gefühl, dass einige Familienmitglieder und Freunde eifersüchtig waren, während andere unsicher waren, zu wem sie sich verändert hatte. Als ihr ältester Sohn zur neuen Optik seiner Mutter befragt wurde, sagte er, sie würde kaum noch wie seine Mutter aussehen.

Lesen Sie in Teil 2 mehr darüber, wie es Menschen nach chirurgischen Makeovers emotional geht.