Macht die Hautfarbe bei Schönheitsoperationen einen Unterschied?

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Im Rahmen der letzten „Elle Women In Hollywood Awards“ entbrannte eine lebhafte Diskussion, ob die Hautfarbe bei Schönheits-OPs einen Unterschied macht. Für die Preisverleihung im Oktober 2017 war die Schauspielerin Renée Zellweger mit einem derartig veränderten Gesicht erschienen, dass man sie kaum erkennen konnte. Die Reaktion der Öffentlichkeit darauf war zunächst wie erwartet: Was hatte sie sich angetan? Und warum? Was war mit ihr los?

Feministischer Akt der Verteidigung

Diese Fragen waren einfach zu beantworten: Sie hatte sich einer Schönheits-OP unterzogen, weil sie das Gefühl hatte, ihr Aussehen verändern zu müssen. Wirklich bemerkenswert waren die Posts und Tweets, die in den folgenden Stunden gepostet wurden. Auf verschiedensten News-Seiten und öffentlichen sowie privaten Profilen in den sozialen Medien wurde Renée Zellweger in Schutz genommen und verteidigt.

„Lasst Renée in Ruhe!“ forderten Fans in ihrem Facebook Status. Auf den News-Seiten nahm man nicht mehr Zellwegers Gesicht, sondern viel mehr die unerreichbaren Schönheitsvorstellungen, die zu plastischen Korrekturen führen, unter die Lupe. Außerdem berichteten verschiedene Plattformen über die Schwierigkeiten, die Stars nach Schönheitsoperationen mit den heftigen Gegenreaktionen haben.

Dies allerdings als feministische Veränderung zu einer offeneren Gesellschaft zu sehen, ist etwas voreilig. Bis in Hollywood realistischere Ideale gefragt sind und besonders weiblichen Schauspielerinnen öfter eine Wahl gelassen wird, muss noch Einiges passieren. Das ist vor allem der Fall, wenn die betroffene Frau keine weiße Hautfarbe hat.

Schönheits-OPs sind nur für weiße Stars okay?

Es gibt zahlreiche Beispiele Prominenter, die aufgrund ihrer chirurgischen Eingriffe, richtige Shitstorms in den sozialen Medien erlebt haben. Eine Verteidigungswelle wie bei Renée Zellweger gab es bei ihnen nicht. Viele dieser Stars sind farbig bzw. haben kein typisch US-amerikanisches oder europäisches Aussehen.

Eines der bekanntesten Beispiele ist die Raplegende Lil‘ Kim. Genau wie Renée Zellweger war die Rapperin für einige Zeit aus dem Rampenlicht verschwunden. 2013 wurde sie dann wieder bei einigen Events in Hollywood gesehen und sah völlig verändert aus. Sie hatte deutlich hervorstehende Wangenknochen, vollere Lippen, eine spitzere Nase und hellere, glattere Haut. Auch sie war kaum wiederzuerkennen.

2016 muss sie sich erneut einigen OPs unterzogen haben, denn sie sah erneut stark verändert aus. Die Huffington Post beschrieb Lil‘ Kims neues Gesicht als „Hamsterbacken mit ebener Gesichtsfarbe und einer Michael Jackson Nase“. Bis auf einige Fankommentare unter Artikeln gab es keine Posts, die „Lasst Lil‘ Kim in Ruhe!“ forderten. Es gab auch keine Artikel, die sich damit befassten, was sie zu diesen Veränderungen veranlasst hatte.

Natürlich hinkt der Vergleich zwischen der Rapperin Lil’ Kim und der Schauspielerin Renée Zellweger ein wenig. Lil’ Kim hatte ihr Gesicht in der Vergangenheit bereits mehreren chirurgischen Veränderungen unterzogen. Außerdem scheint sie sich nicht nur operieren zu lassen, um jünger auszusehen, sondern auch um „weißer“ zu wirken.

Jeder kann sich operieren lassen

Aus welchen Gründen man sich für eine Schönheitsoperation entscheidet, weiß man nur selbst ganz genau. Deshalb sollte man diese auch immer nur für sich selbst machen lassen, egal, ob man weiße, schwarze, rote oder grüne Haut hat. Wie bei jedem polarisierenden Thema wird man Kommentare jeder Art erhalten, ob man diese hören möchte oder nicht.

Wer über eine Schönheitsoperation nachdenkt, sollte sich dessen bewusst sein und sich auf mögliche Kritik vorbereiten. Eine Verteidigung wie Renée Zellweger werden die wenigsten Frauen erfahren. War diese Verteidigung notwendig und richtig? Ja, in jedem Fall. Aber hätte Lil‘ Kim eine solche Unterstützung ebenfalls verdient? Ohne Frage.

Jede Frau (und jeder Mann) hat das Recht, sich für einen ästhetischen Eingriff nicht schämen zu müssen. Jeder kann sich operieren lassen und niemand sollte über die Gründe oder das Ergebnis urteilen, egal welche Hautfarbe, Religion, Nationalität oder ethnische Herkunft die Person mit dem Wunsch nach einer Schönheits-OP hat.