Ist eine Schönheitsoperation aufgrund von Mobbing eine gute Idee?

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Das Aussehen eines Menschen ist wichtig. Das ist nichts Neues. Schon seit Anbeginn der Menschheit konzentrieren wir uns auf unsere Optik. Mit der zunehmenden Beliebtheit von Schönheitsoperationen hat sich aber eines verändert: Es ist zusehends normaler geworden, seinen Körper zu verändern, um bestimmten Schönheitsidealen zu entsprechen. Wo sollte man allerdings Grenzen setzen, vor allem bei Kindern und Jugendlichen? Ist es sinnvoll, sich aufgrund des Druckes von anderen zu verändern und im Extremfall sogar unters Messer zu legen?

Im Jahr 2014 ließ sich die damals 15-jährige Renata von einem Schönheitschirurgen operieren. Sie war das ständige Mobbing in ihrer Schule leid und ließ sich ihre Nase und ihr Kinn chirurgisch verändern. Sie fühlte sich in der Schule derart unwohl, dass sie vor den OPs für 3 Jahre zu Hause Unterricht hatte. Nach den Schönheits-OPs sei sie glücklicher, sagt der Teenager. Dennoch hatten viele Eltern, Mediziner und die breite Öffentlichkeit große Bedenken, als ihre Geschichte bekannt wurde.

Experten sind geteilter Meinung, ob eine Schönheitsoperation bei Mobbing, vor allem bei Kindern, wirklich zum gewünschten Erfolg führen kann. Trotzdem sind Geschichten wie die von Renata keine Seltenheit. Auch die 14-jährige Nadia Ilse und die erst 7-jährige Samantha Shaw ließen sich ihre Ohren anlegen, weil sie für ihre abstehenden Ohren immer gehänselt wurden.

In beiden Fällen übernahm die gemeinnützige Organisation Little Baby Face Foundation die Kosten für die Eingriffe. Die Stiftung konzentriert ihre Arbeit auf das Korrigieren von Gesichtsdeformationen von Kindern, die aus Familien mit einem geringen Einkommen kommen. Der Gründer der Little Baby Face Foundation, Thomas Romo, sagte über seine Arbeit: „Man nimmt ein Kind und verändert sein Aussehen. Jeder, der dieses Kind sieht, findet, dass es hübsch aussieht. Das gibt dem Kind Stärke. Wir können die Mobber nicht verfolgen. Aber wir können es versuchen und die Kinder stärken.“

Es gibt verschiedenste Studien, ob Schönheitsoperationen bei Mobbing hilfreich sein können oder nicht. Ihre Ergebnisse sind sehr unterschiedlich. In einer Langzeitstudie des Norwegischen Social Forschungsinstitutes wurde die Zufriedenheit von mehr als 1000 jungen Frauen über einen Zeitraum von 13 Jahren untersucht. 78 von ihnen ließen sich von einem Schönheitschirurgen operieren.

Die Forscher fanden heraus, dass obwohl die Zufriedenheit der Frauen mit bestimmten Körperteilen zunahm, waren sie insgesamt nicht zufriedener mit ihrem Körper. Bei den Teilnehmerinnen, die einen Eingriff hatten machen lassen, wurde in der Studie eine Zunahme von Depressionen, Angstzuständen und Drogenmissbrauch im Vergleich zu den nichtoperierten Frauen festgestellt. Dies ließ die Forscher vermuten, dass die positiven psychischen Aspekte von Schönheitsoperationen lokal begrenzt und von kurzer Dauer sind.

Psychologen weisen auch daraufhin, dass OPs, die aufgrund von Bullying oder Mobbing erfolgen, eigentlich zugrunde liegende emotionale oder psychische Probleme verdecken können. Die meisten Menschen, die sich wegen anderer für eine Schönheitsoperation entscheiden, haben eigentlich ein zu geringes Selbstwertgefühl. Dieses bessert sich durch die Schönheits-OP aber nur kurzzeitig oder gar nicht. Emotionale Probleme, die nicht aufgearbeitet werden, können auch zu einer Abhängigkeit von Schönheitsoperationen führen.

Im Moment gibt es vor Schönheitsoperationen keine Überprüfung der psychischen Gesundheit der potenziellen Patienten, egal wie alt sie sind. Im Fall von Kindern und Jugendlichen empfiehlt The American Board of Plastic Surgery (ASPS), dass Kinder nur operiert werden sollten, wenn sie die Vor- und Nachteile des Eingriffes verstehen. Sie sollten keine unrealistischen Erwartungen haben und von sich aus die Schönheitsoperation wollen.

Natürlich stellt sich die Frage, in wie weit Kinder und Jugendliche sich überhaupt selbst für eine Schönheits-OP entscheiden können. Je jünger die Kinder sind, desto wichtiger ist der Einfluss der Eltern. Die Eltern sollten ihrem Kind in jedem Fall dabei helfen, eine bewusste Entscheidung zu treffen. Viele Kinder und Jugendliche haben aufgrund ihrer geringen Reife eine stark übertriebene Vorstellung davon, wie eine Schönheitsoperation ihr Leben verbessern könnte.

Unabhängig vom Alter sollte man eine Schönheits-OP immer für sich selbst machen lassen. Niemand kann garantieren, dass Mobbing und Bullying durch eine OP aufhören.