Warum Menschen ihren Körper hassen – Teil 3

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Körperhass und Schönheitskult greifen auf der ganzen Welt um sich und viele Menschen sind dazu bereit, ihr letztes Geld in einen Körper zu investieren, mit dem sie hoffen endlich glücklich und zufrieden zu sein. Dies ist kein neues Phänomen in der Geschichte der Menschheit, seine Ausmaße sind allerdings größer denn je.

Mehr Körperhass durch die Medien?

Vermutlich gibt es Menschen, die ihren Körper hassen, so lange, wie es Menschen gibt. Seit Hunderten von Jahren versuchen Menschen, Idealen zu entsprechen, schön auszusehen und ihren Körper zu trimmen. In der Vergangenheit zwängte man sich in Korsetts und trug Perücken, man band sich das Doppelkinn ab und schminkte sich.

Der größte Unterschied zu heute: Die Bedingungen waren für alle gleich. Niemand besaß einen Computer und konnte so ein völlig fehlerfreies Bild von sich erzeugen, egal ob er Bauer oder König war. Außerdem konnte niemand sein Bild per Knopfdruck die ganze Welt sehen lassen und so den Eindruck vermitteln: Wer so aussieht wie ich, wird auch so glücklich wie ich.

Der Einfluss der modernen Medien auf das Schönheitsideal ist eindeutig. So waren auf den Fidschi-Inseln zum Beispiel, 3 Jahre nachdem das Fernsehen dort eingeführt wurde, 11,3 Prozent der Mädchen bulimiekrank. Sie wollten unbedingt westliche Modelfiguren haben.

In Südkorea haben sich mittlerweile die Hälfte aller jungen Frauen ein westliches „Doppellid“ beim Schönheitschirurgen machen lassen. Ein Schönheitsideal, das sie ohne die modernen Medien nicht kennen würden. In Argentinien bezahlen Krankenkassen Schönheitsoperationen und in Brasilien sogar der Staat.

Vor 8 Jahren begann in Nigeria ein nationaler Diätwahn, nachdem zum ersten Mal eine Nigerianerin zur Miss World gewählt wurde. Das 18 Jahre alte Magermodel war landesweit auf großen Werbetafeln und in Anzeigen zu sehen und wurde so zum Vorbild für viele Frauen. Der Körperfetischismus der industrialisierten Welt hat inzwischen alle Ländergrenzen überschritten und begegnet einem auch dort, wo man ihn am wenigsten erwartet.

Besonders stark vertreten: der Wunsch nach einem jugendlichen Aussehen für immer

Susie Orbach, die berühmte britische Psychologin, sagte dazu: „Neu ist an dem aktuellen Trend, dass wir jetzt alle glauben sollen, wir könnten von der Kindheit bis ins Altersheim so aussehen wie Angelina Jolie. Mehr noch: Es wird von uns erwartet.“

Prominente Frauen, denen man bis zum sechsten Schwangerschaftsmonat ihre Schwangerschaft überhaupt nicht ansieht, sind oft der Grund für massenhaft neue Patientinnen in Kliniken für Essgestörte. Und diese werdenden Mütter sorgen dann gleich automatisch für weitere Folgepatienten. Wer im Mutterleib bereits hungern muss, wird später mit einer 30 Prozent höheren Chance übergewichtig. Diese Menschen wissen oft nicht einmal, woher ihr Übergewicht kommt.

Schon heute sagen 40 Prozent aller Mädchen zwischen 6 und 16 Jahren, dass sie sich gern Fett absaugen lassen würden. Zwei Drittel aller Mädchen auf der ganzen Welt gaben an, dass sie es schwierig fänden, sich mit den heutigen Schönheitsidealen schön zu fühlen.

Laut des Robert-Koch-Instituts hat jedes dritte Mädchen in Deutschland ein „auffälliges Essverhalten“. In das Frankfurter Zentrum für Essstörungen werden sogar schon Siebenjährige mit Diäterfahrung eingeliefert. Gleichzeitig nimmt auch in Altersheimen die Zahl der Frauen zu, die die Symptome langjähriger Essstörungen haben.

In manchen Fällen kann es zu einer lebenslangen Obsession werden, den eigenen Körper zu terrorisieren und zu hassen. Selbst Susie Orbach litt unter Essstörungen, bevor sie 1978 ihren Bestseller über den Diätwahn schrieb. Heute lacht sie, wenn sie jemand nach ihrem Gewicht fragt.

Sie sagt, sie habe keine Ahnung, wie viel sie wiege und fügt oft hinzu: „Mit Waagen wiegt man Fische, nicht Menschen.“ Nach der Geburt ihres zweiten Kindes Lianna vor mehr als 20 Jahren wurde die berühmte Londoner Psychologin laut eigenen Angaben das letzte Mal gewogen. Ihr persönliches Erfolgsrezept für eine normale, gesunde Figur: „Iss, wenn du Hunger hast. Iss, was dir guttut. Hör auf, wenn du satt bist.“