Warum Menschen ihren Körper hassen – Teil 2

Hdready why hate body

Gesundheit ist schon lange kein Maßstab mehr, wenn es um Schönheit geht. Dies zeigte unter anderem auch die Diskussion um die muskulösen Oberarme von Michelle Obama, die monatelang weltweit in verschiedensten Medien geführt wurde. Da die meisten Menschen nicht mehr körperlich arbeiten, glauben sie, sich einen Körper erarbeiten zu müssen.

Im Fall von Michelle Obama entwickelte sich die Diskussion so weiter, dass man sich fragte, ob sich die Arbeit denn gelohnt hätte und sie ihre Arme überhaupt so zeigen dürfe. Darf man als 45-Jährige wie eine Frau mit 20 herumlaufen? Vor allem als Ehefrau des damaligen amerikanischen Präsidenten? Die eigentliche Aufregung rührte aber daher, dass Michelle Obamas Muskeln sehr wahrscheinlich echt und nicht digital bearbeitet waren. Zur Normalität ist ja inzwischen eher das Gegenteil geworden, die Täuschung, selbst wenn man sie durchschaut.

Es gibt nur noch wenige Menschen, die daran glauben, dass die Models auf den Titelseiten von Zeitschriften tatsächlich so makellos sind, wie sie auf den Fotos aussehen. In einer einzigen Ausgabe der amerikanischen Vogue sind rund 150 Bilder digital retuschiert. So werden alle Models von Falten und Pickeln befreit.

Dieses Phänomen betrifft nicht nur Frauen. Vielen Männern geht es ähnlich. Was Matt Damon in „Das Bourne Ultimatum“ scheinbar allein durch seine unglaubliche Fitness geschafft hat, kam in Wahrheit mithilfe von 169 Stuntmen und 70 Experten für Spezialeffekte zustande. Dies ist kein Geheimnis, ganz im Gegenteil kann man es sogar überall nachlesen.

Trotzdem nehmen sich viele Menschen diese Trugbilder zum Vorbild und eifern ihnen wie besessen nach. Das Schlimmste dabei ist, dass sie dabei tatsächlich davon überzeugt sind, Herr ihrer Sinne zu sein und all dies freiwillig zu tun. Sie realisieren nicht, dass sie in die Fänge der Schönheitsindustrie geraten sind.

Der Körper wird zum Feind, weil er sich nicht genug formen lässt

Der grundlegende Widerspruch des modernen Körperhasses liegt eigentlich zwischen den technischen und den physischen Möglichkeiten. Mehr und mehr ähnelt das Szenario dem Rennen zwischen Hase und Igel. Ständig werden neue Methoden gefunden, den Körper zu verändern, zu optimieren und zu formen.

Zeitgleich gibt es aber in der Bildbearbeitungstechnik schon wieder neue Möglichkeiten, Gesichter und Körper noch makelloser, attraktiver, glamouröser und übermenschlicher zu gestalten. Diese werden dann wieder zum Ziel derer, die mit ihrem Aussehen unzufrieden sind und so ergibt sich ein echter Teufelskreis.

Der eigene Körper entwickelt sich regelrecht zum Feind, weil er sich nicht so stark verändern lässt, wie die Menschen es gern hätten. Die Schuld daran suchen sehr viele Menschen fälschlicherweise bei sich selbst.

Die berühmte Londoner Psychologin Susie Orbach sagt dazu: „Es ist viel ernster, als wir glauben wollen. Genau genommen handelt es sich um einen Gesundheitsnotstand, dem man Namen wie Selbstzerstörung, Übergewicht, Magersucht, Körperkult, Schönheitswahn, Körperhass oder Fitnesswahn gegeben hat.“

Noch sind Extremfälle eher selten

Noch gelten Menschen, die sich wie Andrew, Susie Orbachs Patient aus dem ersten Teil dieser Artikelserie, nach einer Beinamputation sehnen, als Ausnahme. Aber als die galten bis vor wenigen Jahren auch Frauen und Männer, die sich Fett absaugen oder den Magen verkleinern ließen oder sich einem Facelifting unterzogen. Heutzutage sind Schönheitsoperationen dieser Art längst salonfähig und in einigen gesellschaftlichen Gruppen geradezu an der Tagesordnung.

Längst lassen sich Chinesen Metallrohre in die Oberschenkel einsetzen, um bis zu zehn Zentimeter größer zu werden. Schwedinnen dagegen, die sich für zu groß halten, lassen sich die Oberschenkelknochen brechen und zusammenstauchen. Körperhass und Schönheitskult greifen auf der ganzen Welt um sich und viele Menschen sind dazu bereit, ihr letztes Geld in einen Körper zu investieren, mit dem sie hoffen endlich glücklich und zufrieden zu sein.

Dies ist kein neues Phänomen in der Geschichte der Menschheit, seine Ausmaße sind allerdings größer denn je.

Erfahren Sie mehr über den Einfluss der Medien zum Thema Körperhass in Teil 3 dieser Artikelserie.